Die Kunst, ein Angebot für eine Webseite zu erstellen

Dieser Artikel ist ursprünglich am 01. 08. 2014 erschienen.
Das ist eine ganze Weile her. Der Inhalt ist wahrscheinlich nicht mehr aktuell.

Ein Angebot für eine Webseite zu erstellen ist für jeden Webworker eine Herausforderung. Aber auch als Kunde hat man’s schwer: Steht auch ganz bestimmt alles drin? Wird die Qualität stimmen? Und was kostet das Ganze am Ende wirklich?

So beginnen viele Projekte: Ein Kunde ruft an und bittet um ein Angebot. Er nennt ein paar Eckdaten und der Designer schickt eine Kalkulation. Ein paar Tage später verhandeln beide ein bisschen über den Preis und der Designer bekommt den Zuschlag – oder auch nicht.

Das Dumme daran: Damit ist das Projekt bereits auf dem falschen Kurs. Denn das Angebot ist nicht der Anfang des Fadens, sondern die Anfrage. Wer ein aussagekräftiges Angebot haben möchte, kommt um eine Projektbeschreibung nicht herum. Das muss kein Roman sein – ein, zwei A4-Seiten reichen aus.

Unklare Absprachen führen in den Wald

Fehlt die schriftliche Anfrage – auch Briefing genannt – , muss der Dienstleiter Annahmen treffen und auf der Basis dieser Vermutungen seine Kalkulation basteln. Der Auftraggeber kann anschließend kaum überprüfen, ob auch wirklich alles drinsteht, was zu tun ist. Denn das war nicht definiert.
Auch das Vergleichen von Angeboten klappt nicht so richtig, denn in jeder Kalkulation steht ja etwas anderes.

Verständliche Fakten statt heißer Luft

Wer jemals den Kostenvoranschlag eines Handwerkers vor sich hatte, kennt das Problem: Man versteht nur Bahnhof. So geht es Kunden, die wenig Erfahrung mit Webdesign-Projekten haben.

Es gibt Angebote, da wimmelt es nur so von Fachbegriffen und Buzzwords – wer jetzt nicht nachfragt, hat später ein Problem.

Kleine Stilblütensammlung (Originalzitate)

  • Animationen im Stil von Web 2.0 (Bildergalerie)
    Was genau war noch mal Web 2.0?
  • Das Design wird in XHTML 1.1 unter Einhaltung des W3C Standards umgesetzt
    Der derzeit aktuelle Standard ist HTML 5, XHTML 1.1 war schon vor 6 Jahren veraltet
  • Wir setzen für Ihre Seite das CMS „[NochNieGehört]“ ein
    Was passiert, wenn ich als Kunde den Dienstleister wechseln möchte? Wo (außer bei dieser einen speziellen Agentur) finde ich jemanden, der meine Seite betreut?
  • Barrierefreie Umsetzung
    Was *genau* ist damit gemeint?
  • Unterstützung einer nativen Auflösung ab 1024 * 768 Pixel (im CMS enthalten)
    Wie bitte?!

Tipps für Auftraggeber

Auswahl der Agentur
Informieren Sie sich auf der Webseite der Agentur über ihre potenziellen Partner. Schauen Sie sich Referenzprojekte an. Welche Art von Projekten hat die Agentur umgesetzt? Wirkt die Umsetzung modern? Kann man die Seiten im Netz anschauen?

Informieren Sie sich über Arbeitsweise und Vorgehen der Agentur. Wenn Sie etwas nicht verstehen, stellen Sie Fragen.

Projektbeschreibung
Beschreiben Sie Ihr Projekt so detailliert wie möglich, und zwar schriftlich. Stellen Sie allen Agenturen dieselbe Beschreibung zur Verfügung.

Beschreiben Sie folgende Punkte:

  • Die Ziele Ihres Projekts:
    Was wollen Sie mit der Seite erreichen?
  • Das Zielpublikum: Wer sind Ihre Besucher?
  • Wie ist die Seite inhaltlich aufgebaut (Gliederung, Exposé beilegen)
  • Welche Funktionen brauchen Sie?
    z.B. Newsletter, Kontaktformular, Bildergalerie, Mitglieder-Bereich, Slider …
  • Brauchen Sie ein neues Design?
  • Gibt es ein CI (Farben, Logo, Schriften)?
  • Gibt es Webseiten, die Ihnen besonders gut gefallen?
  • Welche Terminvorstellung haben Sie?
  • Wie hoch ist Ihr Budget, was wollen Sie investieren?
  • (…)

Tipps für Dienstleister

Wir haben gute Erfahrungen mit Fragebögen gemacht. Über diesen Fragebogen fragen wir vor jedem Projekt die wichtigsten Informationen ab.

Auch die Frage nach dem Budget ist wichtig. Sie wird oft schamhaft umgangen, denn viele Kunden mögen keine Summe nennen. Sie glauben, dass sie damit das „Spiel“ verlieren: „Sag ich 1000€ krieg ich die Seite für 1000€, sag ich 2000€ steht 2000€ auf der Rechnung“.
Das kann man so sehen. Ich sehe das anders: Kenne ich das Budget, kann ich relativ präzise sagen, was für diese Summe machbar ist und was nicht.

Gerade unerfahrenen Kunden hilft es, wenn sie ein Gefühl für den Ablauf eines Projektes bekommen. Wie ist der Prozess, wie fangen wir an, wie geht es weiter, was passiert wann in welcher Reihenfolge? Diese Informationen sind für den Auftraggeber sehr wertvoll, sie geben ihm Sicherheit.

Und natürlich ist es wichtig, Fachbegriffe zu erklären und auf die Situation des Kunden zu übersetzen. Und Vorsicht mit Modewörtern wie „Suchmaschinenoptimierung“, „Responsive“ oder „Barrierefrei“. Hinter solchen Begriffen stecken sehr komplexe Aufgaben, die mit Fakten untermauert und ausführlich erklärt werden müssen. Einfach so als Stichwort in die Runde gestreut werfen sie mehr Fragen auf als dass sie Antworten geben.

Fazit

Ziel desProzesses rund um das Angebot ist, dass alle Parteien wissen, was sie erwartet. Alle Beteiligten sollen eine gemeinsame Vorstellung vom Projekt haben. Manage Expectations sagt man auf englisch, man kann es vielleicht mit „Erwartungen steuern“ übersetzen.

Dazu gehört auch, dass es gerade bei Webprojekten immer Bereiche gibt, die nicht im Voraus planbar sind. Das kann man lösen, indem man bei manchen Preisen Puffer einbaut. Längere Projekte kalkuliert und plant man am besten in Phasen und Modulen, so dass man sich spontanen Entwicklungen anpassen kann.

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