Drei populäre Halbwahrheiten über WordPress

Dieser Artikel ist ursprünglich am 13. 05. 2013 erschienen.
Das ist eine ganze Weile her. Der Inhalt ist wahrscheinlich nicht mehr aktuell.

WordPress erlebt gerade einen Hype. Ein Produkt mit so viel kostenloser Werbung lässt sich natürlich gut verkaufen, kaum eine Agentur, die sich nicht noch schnell das Stichwort „WordPress“ auf die Webseite schreibt.

Hier wird dann erklärt, warum WordPress toll ist. Oder warum es nicht so toll ist, denn schließlich ist da noch das CMS XYZ, mit dem die Agentur eigentlich ihr Geld verdient.

Bei meinen Streifzügen durchs Netz begegnen mir diese Aussagen immer wieder:

  1. WordPress ist toll, weil es kostenlos ist
  2. WordPress ist eigentlich kein CMS, sondern nur eine Blog-Software
  3. WordPress ist kinderleicht zu bedienen

1. WordPress ist toll, weil es kostenlos ist

WordPress ist OpenSource-Software. Jeder kann sie herunterladen und sofort loslegen. Eine Lizenzgebühr gibt es nicht. Ist das wichtig? Nö.

Alle großen CMS-Systeme (z.B. TYPO3, Drupal, Joomla) sind in diesem Sinne „kostenlos“. WordPress steht also damit nicht allein.

Dazu kommt, dass man für eine professionell gestaltete Seite einen WordPress-Experten braucht. Und das ist dann nicht mehr kostenlos.

Die Community ist der Schlüssel

Das eigentliche Argument, das für OpenSource-Software spricht, ist nicht die fehlende Gebühr. Die würde in einem Webdesign-Budget kaum ins Gewicht fallen. Es ist die Community dahinter, also die große Anzahl der Entwickler und Designer, die in ein Open-Source-Produkt eingebunden sind. Aufgrund der schieren Anzahl der Community-Mitglieder ist es relativ leicht, gute Leute für die Arbeit an einer WordPress-Seite zu finden. Von gewissen konjunkturellen Engpässen mal abgesehen.

2. WordPress ist eigentlich kein CMS, sondern eine Blog-Software

…und damit kein „richtiges“ CMS.
Es stimmt, die Wurzeln von WordPress liegen im Bloggen. Abgesehen davon, dass sich WordPress weiterentwickelt hat – WordPress feiert am 27. Mai 2013 seinen 10. Geburtstag – und man heute so ziemlich alles mit WordPress umsetzen kann, ist es genau diese „Blog-Seele“, die WordPress so interessant macht.

Ein Blog ist der Inbegriff einer lebendigen Webseite. Hier erscheinen in dichter Frequenz neue Inhalte, die sich auf alle erdenklichen Arten sortieren und filtern lassen. Ein Blog ist damit nichts anderes als eine moderne Webseite, die den Suchmaschinen gefällt.

WordPress geht beim Erstellen der Seiten sehr dynamisch vor. Die Seiten werden durch Filtern und Sortieren mit Inhalten befüllt. Auf Knopfdruck spuckt WordPress alle Artikel zu einer Kategorie, zu einem Autor oder zu einem Stichwort aus. Dazu muss man gar nichts tun, das ist eine Basisfunktionalität von WordPress.

3. WordPress ist kinderleicht zu bedienen

Im Vergleich zu anderen Systemen steht WordPress in Sachen Nutzerführung nicht schlecht da. Andererseits hilft das Argument „Es gibt Schlimmeres“ einem Kunden nicht wirklich weiter, wenn er verzweifelt vor seiner Webseite sitzt und sich nicht zurechtfindet.

Wenig computeraffine Menschen haben mit einem abstrakten Konstrukt wie WordPress („Backend? Frontend? – Hä?“) ihre liebe Not. Ich bin immer wieder erstaunt, wie schwer sich unerfahrenen Nutzer selbst mit ganz einfachen Aufgaben tun.
Benutzeroberflächen werden von Entwicklern gemacht. Ein Entwickler kennt sein Baby in und auswendig, er weiß, wo er suchen muss. Keine gute Ausgangsbasis für laienkompatible Usability.

Laien brauchen Unterstützung

WordPress, so wie es Out of The Box kommt, ist für einen Laien schwer zu bewältigen. Das ist kein Zeichen von Faulheit oder mangelnder Intelligenz, es liegt schlicht und einfach daran, dass ein Redaktionssystem eine ziemlich abstrakte Sache ist. Je nach Hintergrund ist das Einarbeiten in WordPress für viele Kunden eine harte Nuss.

WordPress-Entwickler, die Seiten für Kunden erstellen, sollten auf jeden Fall das Dashboard für Kundenprojekte anpassen und Hilfestellung geben, wo sie können. Aufgaben, die häufig anstehen, sollten so einfach und so selbsterklärlich wie wie möglich gestaltet werden.

Auch Handbücher und kurze Screencasts erleichtern unerfahrenen Nutzern den Zugang zur WordPress-Welt. Solche Dokumente zu erstellen macht Arbeit, aber es lohnt sich, denn der Kunde muss nicht mehr bei jeder Kleinigkeit anrufen. Das spart beiden Seiten Zeit und alle sind zufrieden.

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3 Kommentare zu “Drei populäre Halbwahrheiten über WordPress

  • Zu „1.“ wäre vielleicht zu ergänzen, dass man mit den kostenlosen, abgespeckten Premium Themes, die es mittlerweile an vielen Stellen bekommt, und auch mit vielen der frei verfügbaren schon eine professionell (wenn auch nicht individuell) gestaltete Seite bekommen kann.

  • Kirsten 14. Mai 2013

    Fair Point! Da hast Du Recht. Wobei Premium Themes auch ihre Schattenseiten haben. Aber das wäre ein eigener Artikel.

  • Wordrpess ist ja so einfach zu bedienen!
    Ich finde deine Darstellung, wie WP oder auch andere Systeme auf Outsider wirken, sehr passend. Wenn wir Halbwahrheiten nur oft genug widerhlen, steigt ihr Wahrheitsgehalt eben nicht. Fakt ist: Wir sollten dem Kunden mitteilen, dass er/sie ein wenig Zeit investieren sollten, damit gut Ergebnisse bei der Contentpflege die Folge sind.
    Ich stehe zum Beispiel Systemen wie Mojomotor, Getsimple usw. sehr viel aufgeschlossener gegenüber, als früher. Wenn wir wirklich zufriedene Kunden haben wollen, recht es nicht aus, nur WP, typo3, Drupal und Contao zu verwenden.

    Zum Abschluss: Viele Kunden, welche so zufrieden sind, sind nur latent zufrieden. Und was latent für die weitere Geschäftsbeziehung bedeutet, wissen wir alle aus leidvollen Erfahrungen, oder?

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