Was kostet eine WordPress-Seite?

Ein Mensch, nennen wir ihn Paul, braucht eine Webseite und er fragt sich, was das wohl kosten würde. Unter dem Stichwort „WordPress Agentur“ spuckt die Suchmaschine eine lange Liste von Ergebnissen aus. Kleine und große Dienstleister – und ein wildes Durcheinander an Preismodellen.

Eine Agentur bietet ein „WordPress Komplettpaket“ für 600€ an, eine andere spricht von „WordPress Custom Themes“ und will dafür 3.000€ haben. Und bei Themeforest gibt es coole Themes schon für 60€.

„Geht’s noch?“, empört sich Paul. „Ich bin doch nicht blöd und zahle 3.000€, wenn ich das Ganze für 60€ kriegen kann!“

Wie kann das sein, dass für ein und dasselbe Produkt so unterschiedliche Preise aufgerufen werden?

Es steht zwar überall WordPress drauf, aber es ist nicht überall dasselbe drin

Option 1: Selber machen

Auch ein Laie kann sich eine WordPress-Seite ganz bequem über die Benutzeroberfläche (aka WordPress Dashboard) zusammenbauen. Dafür wurde WordPress erfunden. Mit dem Code dahinter kommt man dabei nicht in Berührung.
WordPress selbst und viele gute Themes sind gratis und lassen sich kostenlos herunterladen. Man muss allerdings bereit sein, sich in die Thematik einzuarbeiten. Je nach Vorwissen und Ziel kann das schon mal ein paar Tage dauern.

Schneller geht’s auch mit dem Premium Theme nicht. Im Gegenteil: Diese Themes sind sehr komplexe Konstruktionen, weil sie für jeden etwas bieten müssen. Zusätzlich zu den WordPress Grundlagen muss man sich hier noch in die individuelle Systematik des jeweiligen Themes einarbeiten.

GEEIGNET FÜR
Kleine Projekte mit einfachen Anforderungen.

WENIGER GEEIGNET FÜR
Komplexe Projekte, bei denen Eingriffe in die Theme-Dateien (Templates) nötig sind oder spezielle Plugins gebraucht werden. Natürlich ist auch hier selber basteln möglich und die WordPress Community ist sehr hilfsbereit. Aber das Risiko, eines Tages vor einer kaputten Seite zu sitzen, steigt mit jedem Codeschnipsel, den man irgendwo aufgegabelt, aber nicht so ganz verstanden hat.

Option 2: Das 600€/800€/1200€ „Komplettpaket“

Wer keine Zeit investieren möchte sucht sich jemanden, der WordPress für ihn einrichtet. Die Agentur recherchiert ein passendes Theme und installiert WordPress und Theme auf dem Server. Das Logo wird integriert und die Farben angepasst. Bei Bedarf arbeitet die Agentur auch die Inhalte ein.

Hier geht es im Wesentlichen darum, ein bereits existierendes Theme anzupassen. Diese Arbeit lässt sich weitgehend über die WordPress-Benutzeroberfläche (Dashboard) erledigen. In den Code muss man dafür nicht eingreifen, es sind höchstens ein paar CSS-Anpassungen nötig. Kunden müssen allerdings bereit sein, gewisse Kompromisse einzugehen. Design, Struktur und Funktionen und des zugrunde liegenden Themes lassen sich nur in begrenztem Rahmen verändern und erweitern.

GEEIGNET FÜR
Kleine Projekte mit einfachen Anforderungen.

WENIGER GEEIGNET FÜR
Komplexe Projekte, bei denen Eingriffe in die Theme-Dateien (Templates) nötig sind oder spezielle Plugins gebraucht werden.

Option 3: Das Custom Theme

Ein Custom Theme ist ein individuelles WordPress Theme. Ein solches Theme kommt für Kunden in Frage, die bereits eine relativ klare Vorstellungen von ihrem Projekt haben. Design und Funktionen werden ganz nach den Bedürfnissen der Kunden aufgebaut, sie müssen keine Kompromisse machen.
Dabei passiert die Arbeit nicht im WordPress Dashboard, sondern im Code-Editor. Zusätzlich zum WordPress-spezifischen Coding-KnowHow braucht die Agentur Erfahrung mit HTML, CSS, PHP und JavaScript.

Bei umfangreichen Projekten sind häufig viele Plugins am Werk. Da ist es gut, wenn es in der Agentur jemanden gibt, der einem Plugin mal unter die Haube gucken kann. Nicht alle Plugins haben eine gute Code-Qualität und mit steigender Plugin Anzahl steigt die Wahrscheinlichkeit für Konflikte.

Beim Aufbau eines Custom Themes werden Entwicklung und Live-Seite strikt getrennt. Gewagte Experimente wie Code-Änderungen auf der Live-Seite kommen nicht vor. Jede Änderung wird erst Mal in Ruhe auf einer Kopie der Seite (Stagingseite) getestet. Die Arbeit an einem Custom Theme braucht Zeit für Planung, Absprachen und Tests. Das Ergebnis soll ja schließlich passen.

GEEIGNET FÜR
Projekte mit speziellen Anforderungen und langfristiger Perspektive.

Thema Nachhaltigkeit

Ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl eines Dienstleisters ist die Perspektive des Projekts. Wer jemanden sucht, der ihm „mal schnell“ eine Seite zusammenbaut geht anders an die Sache heran als jemand, der relativ detaillierte Vorstellungen hat und eine langfristige Planung verfolgt.

Mir fällt dabei der Vortrag Websites können mehr von Ralf Wiechers ein, den er beim WordCamp Köln 2015 gehalten hat. Dort hat er den Begriff von der Webseite als die 24/7 Filiale eines Unternehmens geprägt.

Kunden, die ihre Webseite als zentrales Element der geschäftlichen Kommunikation werten, suchen einen verlässlichen Partner, der ansprechbar ist für Fragen, ausreichend Erfahrung mitbringt und Probleme in kurzer Zeit lösen kann. Wenn die Agentur dann noch gut vernetzt ist und bei Bedarf auf das Wissen anderer Fachleute zugreifen kann – umso besser.

Fazit

Die Bandbreite an WordPress-Dienstleitungen ist deshalb so groß, weil es um sehr unterschiedliche Konzepte geht. Da die Grundbegriffe von WordPress relativ leicht zu lernen sind, ist WordPress auch für Design- und Werbe-Agenturen ein einträgliches Geschäftsmodell geworden. Coding-KnowHow ist nicht unbedingt notwendig. Problematisch wird es dann, wenn doch im Code etwas verändert wird oder es um Themen wie Sicherheit oder Serverkonfiguration geht. Hier sind unerfahrene Agenturen schnell mit ihrem Latein am Ende.

Kunden, die ihre Agentur „verloren“ haben und auf einer nicht funktionierenden Seite sitzen geblieben sind, erleben wir relativ häufig. In der Regel liegt das nicht daran, dass die Kollegen plötzlich nach Australien ausgewandert sind. Die Agentur geht auf Tauchstation, weil sie keine Idee hat, wie sie die Probleme lösen soll.

Wie geht es eigentlich Paul inzwischen?
Paul hat die 60€ investiert und sich ein Premium-Theme gekauft. So ganz geklappt hat es leider nicht, weil sich das Theme trotz vieler Optionen nicht so anpassen ließ wie Paul sich das vorgestellt hatte.
Paul überlegt nun, ob er sich seine Seite nicht selbst zusammenbauen soll. Er hat sich vorgenommen, als Nächstes beim WordPress Meetup in seiner Nähe vorbeizuschauen.


Zum Weiterlesen

Was eine Webseite mit WordPress wirklich kostet (glueckpress.com)

3 Kommentare zu “Was kostet eine WordPress-Seite?

    • Hallo, Michael,

      hab gerade Deinen Artikel gelesen – die Supermarkt-Geschichte ist ein schönes Bild!

      Ich muss das Thema für mich selbst immer mal wieder durchgehen. Die Abgrenzung zum ‚Do It Yourself‘ war mir dabei wichtig.
      Das ist ein valider Ansatz, WordPress ist zum Selbermachen erfunden. Aber die Methode hat natürlich Grenzen, wenn z.B. jemand etwas genau SO haben will und nicht anders.
      Die Arbeit im Code kann nie und nimmer dasselbe kosten wie das Zusammenklicken über das Dashboard. Das ist vielen Kunden einfach nicht bewusst.

      Schöne Grüße,

      Kirsten

  • Hallo Kirsten,

    kann dem Beitrag weitestgehend zustimmen. Nur sollten unerfahrene Agenturen sich ihrer (Nicht-) Kompetenz bewusst sein und sich überlegen was sie anbieten können und was nicht bzw. ob sie outsourcen wollen/können. Leider gehen da Theorie und Praxis oft auseinander.

    Finde es immer schade, wenn Kunden nicht auf Nachhaltigkeit setzen und der Meinung sind, so eine Webseite ist mal eben fix gemacht und kostet nicht viel. Auch Kunden, die ihre Webseite nicht(!) als zentrales Element der geschäftlichen Kommunikation werten, sollten sich im Klaren sein, dass eine Website im Grunde „nie fertig“ ist. Da bringt es wenig, eine Website dann doch mal erstellen zu lassen und diese anschließend nie wieder anzurühren, wobei das die Extremfälle sind. Option 1 versuchen zwar einige Kunden, geben dann aber doch auf. Mit Option 2 kommen sie zwar ein Stück weiter, jedoch fehlt hierbei wieder die Nachhaltigkeit und somit landet der Kunde (fast) immer bei Option 3.

    Ich lehne Baukasten-Themes ab und verweise im Zweifel auf Themes mit Support, das macht für mich mehr Sinn. Daher nur Custom-Themes mit eigener Dokumentation, das erspart mir Zeit und Nerven.

    Grüße Robert

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