Rückblick Stockholm

Dieser Artikel ist ursprünglich am 28. 08. 2013 erschienen.
Das ist eine ganze Weile her. Der Inhalt ist wahrscheinlich nicht mehr aktuell.

Eine Woche meiner Sommerferien durfte ich in Stockholm verbringen. Auf den ersten Blick kam mir Stockholm nicht viel anders vor als München. Es sind die Details, die den Unterschied ausmachen. Ich bin viel zu Fuß gegangen und mit Bus, U-Bahn und Fähre durch die Stadt gefahren. Immer präsent war der Eindruck, dass es eine recht homogene Gesellschaft ist, die da miteinander lebt. 

Oft ging es bunt durcheinander, sei es bei Familienfeiern oder in geschäftlichem Umfeld. Menschen mit den unterschiedlichsten Wurzeln und Hautfarben schienen völlig selbstverständlich miteinander umzugehen. Es wirkte auf mich, als ob Integration und Diversity gelebte Realität sein können.

Das zeigte sich auch, als ich am ersten Tag unvermutet in den „Stockholm Pride“ geriet, also in die CSD-Parade in Stockholm. Regenbogenfarbige Zebrastreifen, große Plakate in der U-Bahn, Familienfest in der ganzen Stadt. Meine Erfahrung vom CSD hier in Deutschland ist leider mehr von leicht irritierten Blicken der Zuschauer geprägt. Als fröhliches Familienfest empfinde ich den CSD eher nicht.

Und viele Väter mit Kindern sind mir aufgefallen. Väter mit Kinderwagen, die miteinander durch den Park schlenderten, Väter mit größeren Kindern, die ich im Supermarkt, im Bus, in den Parks antraf. Sie waren souverän, ruhig, freundlich mit ihren Kindern.
Hier in München begegnen mir eher Väter, die einigermaßen überfordert wirken. Nichts dergleichen in Stockholm.

Dazu passt, dass die Bilderbuchfigur Willi Wiberg aka Alfons Åberg  im vergangenen Jahr seinen 40. Geburtstag feiern konnte. Ein kleiner Junge, der allein mit seinem Vater lebt? Als ich Kind war gab es „sowas“ jedenfalls nicht. Leider hatte ich damals natürlich auch keine entsprechenden Bilderbücher, sondern lernte Willi Wiberg erst mit meinen eigenen Kindern kennen.

Nach allem, was ich lese, ist auch der Umgang des Staates mit den Kindern ein anderer als hier. Wer entspannt eine Familie gründen kann, ist offensichtlich auch in der Lage, die Kinder souverän und freundlich groß zu ziehen.

Und die Schweden sind höflich. Man steht ruhig in der Schlange, vor dem Bus, dem Imbisswagen, an der Kasse. Ich komme mir in solchen Momenten hektisch, unhöflich und ruppig vor. Dieses Gefühl kenne ich allerdings auch aus anderen Ländern – Großbritannien, Frankreich, USA. Der Umgang miteinander ist dort einfach anders.

Wahrscheinlich muss man dabei berücksichtigen, dass wir in einem Land mit sehr hoher Bevölkerungsdichte leben. Der Raum Stockholm (Stockholms län) beherbergt gut 2 Millionen Menschen, das restliche Land teilen sich etwa 7,5 Millionen Menschen.

Es hat mir gut gefallen in Stockholm und es wächst der Plan, Schweden im nächsten Jahr etwas ausführlicher zu besuchen. Mehr zu sehen als den Flughafen Arlanda und Stockholm mit etwas Umland. Ein Gefühl dafür zu kriegen, wie das Land „tickt“, abseits der Hauptstadt.
Bei mir wecken solche Auszeiten immer wieder den Wunsch, selbst in einem Land zu leben, in dem es entspannter zugeht. Ob das im Alltag wirklich so ist?

Ein paar meiner Fotos aus Stockholm bei flickr

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