Pressmatic und MAMP 4.x im Schnell-Vergleich

UPDATE 3. Dezember 2016
Pressmatic wurde von Flywheel aufgekauft und heisst jetzt Local by Flywheel. Die Software ist ab sofort kostenlos und Ihr könnt sie hier herunterladen.

Was ist Pressmatic?
Pressmatic tut das Gleiche wie MAMP, es ist eine Serverumgebung für lokale Rechner. Man kann damit WordPress lokal auf seinem Rechner installieren.

Was macht Pressmatic besser als MAMP?
Pressmatic wirkt auf mich viel moderner als MAMP. Technisch ist der Hauptunterschied der, dass Pressmatic jede Seite in einen separaten VirtualBox-Container packt.
Das Aufsetzen einer neuen Seite geht ausgesprochen flott und ist in wenigen Sekunden erledigt.

Seiten zu klonen und zu duplizieren geht genau so schnell und man kann sich ganze Konfigurationen als Template speichern. Dadurch entfällt der Teil, bei dem man sich zum x-sten Mal durch sämtliche Dashboard-Einstellungen klickt. Das ist schon ziemlich genial.

Pressmatic hat noch mehr schicke Features, zum Beispiel kann man über ein Addon einen Tunnel über ngrok aufbauen, über den man z.B. Kunden auf die lokale Installation gucken lassen kann. Den Tunnel kann man auch dazu nutzen, eine Seite mit mobilen Geräten zu testen.
Ein weiterer Vorteil ist, dass Pressmatic automatisch die neueste WordPress-Version (derzeit 4.6.1) herunterlädt. In MAMP (4.0.4) wird WordPress 4.6. angeboten, es gibt also nur die Major-Release-Versionen. Das ist allerdings ein Riesenfortschritt gegenüber MAMP 3.x, da gab’s eisern nur WordPress 4.0.

Was macht Pressmatic nicht so gut wie MAMP?
Ein kleiner Dämpfer ist für mich der Umgang von Pressmatic mit Multisite.
Dabei fing alles so gut an: Man kann mit einem Klick entscheiden, ob man eine Einzelseite oder eine Multisite-Installation haben möchte. Kein Gehampel mit htaccess und wp-config.php mehr. Bei der Installation kann man sogar zwischen Subdomains und Subfolders wählen.

Allerdings erscheinen anschliessend die Sub-Sites nicht im UI von Pressmatic – nur die Parent-Site wird angezeigt, die Sub-Sites tauchen nicht auf. Alternativ könnte ich mir auch ein Feature wie Synced Folders vorstellen, für meinen Workflow wäre das eine gute Alternative zu Multisite.

UPDATE 12.10.2016
Ich hatte Clay Griffiths, den Entwickler von Pressmatic, auf das Synced-Folders-Prinzip angesprochen, heute morgen hatte ich eine Antwort im Briefkasten. Es gibt ein Addon für Pressmatic, das genau das macht: pressmatic-addon-volumes.
Ich hab’s gerade mal kurz ausprobiert, auf den ersten Blick funktioniert es sehr gut. Ich kann beispielsweise ein Verzeichnis anlegen, in dem alle meine Themes und Plugins liegen und dann alle Pressmatic-Sites in dieses Verzeichnis gucken lassen. Damit können sich Pressmatic-Sites Themes/Plugin „teilen“. Für das Entwickeln von Themes ist das eine tolle Option. So habe ich nicht 100 Kopien von meinem Starter-Theme in unterschiedlichen Zuständen rumfliegen, sondern eine definierte letzte Version. Ich bin begeistert!

Mein Multisite-Workaround in MAMP sieht so aus, dass ich für jede Sub-Site einen Host angelegt habe, der in dasselbe Verzeichnis guckt wie die Parent-Site. So sehe ich alle Sub-Sites einer Multisite-Installation in der Liste der Hosts und komme mit einem Klick zur der Seite, an der ich arbeiten will.

mamp

Den Sub-Sites einer Multisite kann man in MAMP einen Host zuweisen

Ich habe Clay Griffiths auch dazu befragt. Er meinte, er sei mit der Multisite-Unterstützung von Pressmatic eigentlich recht zufrieden. Er könne sich aber vorstellen, dass es vielleicht irgendwann eine Erweiterung (Addon) geben könnte, wo unter einem zusätzlichen Tab die Sub-Sites aufgelistet werden.

Ein weiterer Schwachpunkt von Pressmatic ist für mich die fehlende Dokumentation. Klar, Dokumentation schreiben macht niemand gerne. Aber so ganz ohne fehlt mir was. Alle Information zu Pressmatic passt derzeit auf eine Seite: www.pressmatic.io
(Der eingebaute ngrok-Tunnel funktioniert mit Multisite leider auch nicht.)

Was kostet Pressmatic?
Pressmatic gibt es momentan nur für OSX zum Preis von 129$. Das ist nicht ganz billig, man muss aber bedenken, dass der Preis eine einmalige Zahlung ist, alle zukünftigen Versionen sind darin inbegriffen. Es gibt keine kostenlose Trialversion, aber man bekommt innerhalb einer Frist von 30 Tagen sein Geld zurück, falls einem das Programm nicht gefällt.

Fazit

Pressmatic ist eine leistungsfähige, moderne und komfortable Alternative zu MAMP.
MAMP wirkt dagegen altbacken und es braucht viele Klicks und viel Geduld um eine WordPress-Seite aufzusetzen.

Ein kleines Trostpflaster ist, dass MAMP gerade ein großes Update bekommen hat. Aktuell läuft bei mir die Version 4.0.4. Dieses Update war überfällig, jahrelang hat sich bei der appsolute GmbH in Sachen MAMP kaum etwas bewegt.
Immerhin kennt MAMP Pro jetzt PHP 7, Nginx-Server und MySQL 5.6 und die Oberfläche wurde ein bisschen aufgehübscht.

Zum Testen von Seiten im lokalen Netzwerk gibt es eine App für iPhone und iPad, den MAMP Viewer. Aber auch hier ist Multisite der Killer. Die App kann die Hosts von Sub-Sites nicht auflösen, der iPhone-Screen bleibt leer.
Ich habe dazu übrigens beim MAMP-Support nachgefragt. Die Antwort war kurz und klar: Multisite ist kein Thema beim MAMP Viewer, es sind keine Features dazu geplant.

Ich denke, das ist kein großer Verlust, es macht schließlich wenig Sinn, ausschließlich auf iOS-Geräten zu testen. Zum Testen im LAN gibt es andere, weit leistungsfähigere Tools, zum Beispiel browsersync.io.

Neben MAMP und Pressmatic, die alle Abläufe in eine einfach bedienbare Oberfläche packen, gibt es natürlich noch andere Wege, sich eine Serverumgebung auf dem lokalen Rechner zu basteln. Ich bin gerade dabei, einen Blick in die Welt von Vagrant zu werfen. Stay tuned.

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4 Kommentare zu “Pressmatic und MAMP 4.x im Schnell-Vergleich

  • Hallo Kirsten
    danke für den Artikel – deckt sich zu 99% mit meinen Erfahrungen mit MAMP Pro (3 und 4) und Pressmatic.
    Machmal kann Pressmatic, zumindest bei mir, zwar etwas launisch sein, aber im Grossen und Ganzen finde ich es toll, damit zu arbeiten, und vermisse MAMP und das Gefrickel mit WP-Updates und Dateiberechtigungen kein Bisschen.

    Die Erweiterung Aden-Volumes für Pressmatic hatte ich bisher komplett verpasst – wenn es das tut, was ich gerne möchte, könnte ich mir das (in meiner Erfahrung etwas buggy) Arbeiten mit Templates ersparen… vielen Dank für den Hinweis!

    VVV sieht, wie in Deinem Beitrag „für visuelle Menschen“ sehr treffend beschrieben, zwar auch für Normalsterbliche einigermassen zugänglich, aber mir geht es auch so: wenn Termine anstehen, mag man nicht mit irgendwelchem Unix-Gedöns, Update-Sucherei und endlosem Googeln nach verständlichen Anleitungen seine Zeit verplempern.

    Alles in Allem ist Pressmatic doch wirklich gut… hoffentlich bleibt Clay weiterhin so engagiert dabei. :-)

    • Ich bin inzwischen zu Pressmatic gewechselt und hab’s nicht bedauert. So einfach und komfortabel! Und schnell vor allen Dingen.
      Nur noch ein paar ältere Projekte laufen auf MAMP.
      Bei mir war Pressmatic bisher total brav, keine Zicken so far. *toi, toi, toi*

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